Frühlingsboten und Retreat Afterglow

Die Tiroler Alpen verließ ich letzten Sommer mit den Worten: Ich komme wieder, aber dann als Lehrerin. Es war ein kindlicher Herzenswunsch, denn ich kannte den vollen Kalender und vielen Nachfragen von Lehrenden. Eine Woche später kam ein Anruf. Lange überlegen musste ich nicht und machte im gleichen Atemzug mehrere Termine aus. Sprudelte über an Ideen. Überlegte, plante und sah mich schon in der Yogahalle sitzen.

Greifbar wurde es aber erst Mitte Februar, eine Woche vor Beginn des Retreats. Ein Teil in mir konnte es gar nicht abwarten, jubelte und jauchzte vor Freude. Ein anderer Teil konnte es immer noch nicht glauben, jetzt nahm dieser Wunsch wirklich Form an. Und zwischendrin versuchte eine Stimme zu Wort zu kommen, die von kuscheliger Komfortzone brabbelte. Was soll ich sagen, die Vorfreude war einfach stärker. Innerlich wusste ich, ich bin bereit.

 
Was bedeutet eigentlich Retreat?
Das Wort Retreat stammt aus dem Englischen und bedeutet Rückzug, Zufluchtsort, Schlupfwinkel. Gemeint ist damit ein Rückzug aus dem Alltag und der gewohnten Umgebung. Eine bewusst geplante Zeit, in der wir uns auf die spirituelle Praxis konzentrieren. Dabei variiert die Länge und auch der Schwerpunkt. Von ein paar Tagen, bis hin zu mehreren Wochen. Begleitet von einem festen Programm, das meistens Meditation, Achtsamkeit, Selbsterfahrungsübungen, Reflexion und Stille umfasst. Eine Zeit der inneren Einkehr und Besinnung auf sich selbst.

Dieses Retreat stand unter dem Thema Loslassen und die Leichtigkeit des Seins, dem wir uns eine Woche auf unterschiedlichen Weisen und Wegen genähert haben. In täglicher Yogapraxis und Meditation; über Rituale, Reflexion und im Austausch; in Stille, im Tanz und kreativen Ausdruck. Verwoben mit den Naturelementen und Impulsen aus der Philosophie des Yoga und Ayurveda.

 
Same, same but different
Im Haus war alles so vertraut, doch ich durfte erstmal meine Rolle finden. Gar nicht so einfach, wie ich immer wieder bemerkte. Ein Teil des Hauses und doch nicht im Karma-Yogi-Modus. Ein Teil der Gruppe und doch keine Teilnehmerin. Lehrerin. Eine ganze Woche präsent sein, Raum halten. Für andere da sein.

In der Yogahalle sitzend erinnerte ich mich. An viele erste Male. Mein erster Schritt auf die Matte. Ganz zaghaft ein erstes Om chanten. Viele, viele Tränen und Erkenntnisse. Die ersten Stunden unterrichten. Die ersten Töne auf dem Harmonium spielen… In dieser Woche durfte ich all das mit den Yoginis teilen. Meinen Weg, meine Erfahrungen. Sie begleiten auf ihren ersten Schritten. Auf der Yogamatte, beim Mantren singen, sich öffnen und immer wieder selbst neu begegnen.

 
Unterwegs ins Unbekannte
Gleich am ersten Abend entstand ein wohliger Raum. Ihrer Intuition gefolgt saßen sie nun hier mit mir im Kreis. Ein Spektrum von Anfang dreißig bis Mitte sechzig, selbst Yogalehrerinnen und zum Teil noch gar keine Yoga-Erfahrungen. Was alle einte, ihre Bereitschaft sich zu öffnen, sich zu zeigen. In ihrer Stärke, in ihrer Verletzlichkeit. In jeder Einzelnen erkannte ich etwas von mir. Und alle fanden eine Verbindung untereinander. Austausch, der in die Tiefe ging, inspirierte und oft nur von mir oder Müdigkeit unterbrochen wurde.

Jeden Morgen saß ich dankbar und demütig da. Realisierte, dass ich gerade meinen Traum lebte. War voller Energie und Lebendigkeit wie schon lange nicht mehr. Immer wieder ein kleines bisschen aufgeregt und doch voller Vertrauen. Spürte, wie sich die Energien verwoben, wir alle mitten drin waren. Im eigenen Prozess. Im Gruppenprozess. Im Thema des jeweiligen Tages. Wie wir gemeinsam die Themen und Energien bewegten und einiges losgelassen haben. Wie jede einzelne und wir gemeisam in dieser Woche gewachsen sind.

Ruhige Stunden, feurige Stunden. Grimmige Blicke und große Experimentierfreude. Naturmomente, Stille und Zeit im Schweigen. Neugierde, Herzenswärme und Geborgenheit. Tränen der Freude, Tränen der Erleichterung. Grenzen die sich zeigten. Grenzen die gewahrt wurden. Grenzen, die ignoriert wurden. Alle stellten fest, das ein Retreat eine Auszeit vom Alltag ist, aber kein Urlaub. Es ist intensiv, was im Inneren bewegt wird. Was körperlich spürbar ist. Was an die Oberfläche kommt und heilen darf. Und bei allem Tiefgang ist der Spaß nie zu kurz gekommen.

 
Erkenntnisse der Zeit
In dieser Zeit des Rückzugs werden wir besonders aufmerksam für uns selbst. Kein Alltag, der uns ablenkt oder abhält. Hier kann laut werden, was wir sonst gerne übertönen. Hier spüren wir uns selbst. Werden beflügelt, werden getriggert. Sehen, was wir vielleicht nicht so gerne sehen wollen. Bekommen es im Außen präsentiert, erkennen es im anderen, was sich in unserem Inneren bewegt. Alles ist ein Spiegel für uns selbst. Und genau hier ist Zeit und vor allem Raum, damit zu sein. Und nicht alleine damit zu sein.

Als Teilnehmerin bin ich aus bisherigen Retreats entspannter, gestärkter und zufriedener rausgegangen. Um eine große Portion Erfahrung und Erkenntnisse reicher. Habe jedes Mal gespürt, wie wichtig eine regelmäßige Praxis ist. Und wie sehr so eine Auszeit noch nachklingt und im Alltag trägt. Das es manchmal auch einige Zeit braucht, um in den Alltag zurückzukommen.

Als Lehrerin war diese Woche nicht weniger intensiv und erkenntnisreich. Es war anders. Auch meine Themen durften sich bewegen und besonders hat sich meine Rolle bewegt. Lehren und lernen zugleich. Ein wunderbares Geschenk, das seine eigenen Herausforderungen mit sich bringt.

 
Last but not least
Abschließend sei gesagt: davon möchte ich noch viel mehr machen. Denn eine Tiefe und Fülle wie in einem Retreat ist in keinem Kurs oder Workshop möglich. Hier kann einfach alles mit einfließen. Verschiedenste Themen, Methoden und Ansätze. Bewegung, Atem, Stille. Singen, lachen, tanzen. Impulse, Inspirationen, Austausch. Reflektieren und in die Tiefe gehen. Kreativer Ausdruck, Naturerleben und süßes Nichts-Tun. Die Vielfältigkeit, die mein Leben und Wirken prägt. Was ganzheitlich bewegt und verändert. Und nach all den Onlinestunden die letzten beiden Jahre wurde wieder mir bewusst, welche Qualität echte Begegnungen und im selben Raum praktizieren hat – einfach nur wunderschön.

Alles Liebe,
Sabrina

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