Vom Barfußlaufen und innerer Freiheit

Schuhe aus, dicke Socken weg und in locker, leichtem Schuhwerk unterwegs sein. Ein Sommergefühl, das ich liebe. Überall Zuhause und ums Haus barfuß laufen: unbedingt. Beim Spazieren oder Wandern für einige Meter die Schuhe ausziehen: auch mal gerne. Doch, dass ich einfach so loslaufe, barfuß meine Runde durch Feld, Wald und Wiese drehe, das hat sich erst im letzten Jahr so richtig etabliert.

Ein Impuls aus meinem Inneren, ein starkes Bedürfnis, das Gras und die Erde zu spüren. Nichts, was drückt, was kneift, was einengt. Freiheit für meine Füße. Ein Wunsch nach Erdung und Verbindung. Mit dem Spüren des Bodens mich selber spüren.

Mein Spazierengehen hat sich seitdem verändert. Barfuß bin ich viel bewusster und achtsamer unterwegs. Mit allen Sinnen. Jeder Tag, jede Runde ist anders. Die Füße unterschiedlich empfindlich. An manchen Tagen macht mir kein Steinchen etwas aus und an anderen Tagen laufe ich wie auf rohen Eiern über Schotterwege. Ich mag dieses Spüren und Fühlen der unterschiedlichsten Untergründe. Lange, weiche Grashalme. Kühler, fast samtig weicher Waldboden. Schlamm, der sich zwischen den Zehen durchdrückt. Kurzes, stoppeliges Gras. Große Steine, kleine Steine, runde Steine, eckige Steine. Struktur von Teer, so verschieden… Der Körper reagiert auf all das Empfinden. Mit Entspannung und tiefem Atem. Einem Seufzer. Aber auch komplette Anspannung und Luft anhalten, wenn es unter den Füßen pickst.

 
Energien & Gesundheit

Wenn wir barfuß laufen, besonders in der Natur, verbinden wir uns wieder mehr mit der Natur. Nehmen die Energie ganz anders wahr. Wie es im Yoga immer so schön heißt, wir erden uns durch diese bewusste Verbindung. Wir tun etwas für unser Wurzelchakra. Können uns auf den Boden zurück holen, wenn wir mit den Gedanken in den Wolken schweben.

Barfußlaufen ist eine Wohltat, nicht nur für unsere Sinne. Das Gehen ohne Schuhe wirkt wie eine Massage und stärkt ganz nebenbei unsere Fußmuskultur, was sich auf unsere gesamte Körperhaltung auswirkt. Denn unsere Haltung beginnt mit unserem Stand, unserer Verwurzelung. An kalten Tagen und auf kaltem Untergrund hat es sogar eine ähnliche Wirkung wie Wechselduschen und stärkt unser Immunsystem.

Über viele Jahrhunderte kannte die Menschheit keine Schuhe und es war Alltag, barfuß unterwegs zu sein. Dieses Bedürfnis (wie der Ruf nach Verbindung zur Natur) ist in uns angelegt. Vielleicht verspürst du es auch manchmal und machst es dann doch nicht. Die Füße sind zu sensibel, zu schmerzempfindlich. Sie sind es einfach nicht mehr gewöhnt. Durch Schuhe halten wir alle Reize fern und grenzen uns gleichzeitig ein. Soll nicht heißen, gleich alle Schuhe aus dem Fenster zu schmeißen. Sondern sich dessen bewusst zu werden und einfach mal rantasten ans Barfußlaufen. Vielleicht erstmal nur im Haus, dann ums Haus und dann ein paar Meter beim Spazierengehen und immer weiter ausweiten.

 
Yoga für die Füße

Unbeanspruchte Muskeln wollen sanft aktiviert werden. Kennen wir auch von der Matte. Es braucht Geduld, ein liebevolles Dranbleiben und regelmäßiges Üben. Das kannst du gleich mit in deine Praxis oder auch in deinen Alltag einbauen und deine Füße unterm Schreibtisch trainieren.

Storch im Salat
Stehe öfters mal auf einem Bein. Trainiert nicht nur deine Füße, sondern auch deine gesamte Balance. Zum Beispiel im Baum (Vrksasana) oder Tänzer (Natarajasana) auf der Matte, beim Zähneputzen oder wenn du auf den Bus wartest. Schaukel auf deinen Füßen, verlagere immer wieder dein Gewicht zu allen Seiten und finde deinen Mittelpunkt, wo du den gesamten Fuß gleichmäßig belastest. Wippe mit deinen Füßen von vorne nach hinten und hoch auf deine Ballen.

Zehen im Tanz
Es braucht einen starken großen Zeh und Plantarsehne. Sie ist für das Abrollen und Abstoßen verantwortlich. Bewege dafür immer wieder deine große Zeh einzeln. Wenn du deine Standhaltungen ausrichtest, kannst du alle Zehen anheben und ganz bewusst jede einzelne wieder ablegen und dann feste in die Matte pressen. Wie fühlt es sich an? Was macht es mit deinem Stand? Lerne mit deinen Zehen greifen. Ein Tuch, einen Stift, Steine, Stöcke… was dir so im Alltag und unterwegs begegnet.

 
Freiheit & Veränderung

Eine Freundin fragte mich, ob sich etwas verändert hat, seit ich so viel barfuß laufe. Ja, das hat es. Es ist wie ein kleiner Mutausbruch. Jeden Tag. Ein Gefühl von Freiheit. Nicht nur an den Füßen. Manchmal komisch. Ungewohnt. Als hätte ich etwas vergessen. Und auch im Alltag nehme ich wahr, wie ich mich mehr befreie. Von Gedanken. Einfach loslaufe.

Nach jedem Barfußlauf fühle ich mich einfach unglaublich zufrieden, leicht und geerdet. Verbunden. Und ganz faszinierend, seitdem komme ich mit noch mehr Menschen unterwegs ins Gespräch.

Wann hast du das letzte Mal Schlamm zwischen deinen Zehen gespürt?

Alles Liebe,
Sabrina

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